Ich folgte den falschen Göttern

Ein Leben in   Berlin - Australien - England - Westberlin - Berlin/BRD - Berlin/DDR... Salomea ist bis heute fast die Einzige, die offen spricht über ihre Rolle als Klassenkämpferin und IM der Staatssicherheit. Wer es weiß, weiß es nur durch sie. Aber es geht um mehr: Was ist aus den Hoffnungen auf eine bessere (kommunistische) Welt geworden? Was bedeutet Identität? Wie verloren fühlt man sich als Emigrant? Was braucht der Mensch wirklich?

Salomea Genin liest Geschichten aus ihrem neuen Buch.

 

1932 als Kind polnisch-russischer Juden in Berlin-Wedding geboren, floh Salomea Genin im Mai 1939 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Australien. 1951 kam sie als Mitglied er australischen Delegation zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Ost-Berlin und war von der DDR begeistert. Sie verließ Australien, um in der DDR ein besseres, antifaschistisches Deutschland aufzubauen, erhielt aber keine Aufenthaltserlaubnis in der DDR. So blieb Salomea Genin zunächst in West-Berlin und zeitweise in England, bevor sie 1963 offiziell nach Ost-Berlin übersiedeln durfte. In West-Berlin hatte sie begonnen, als Informantin für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu arbeiten. Diese Tätigkeit setzte sie dann in der DDR fort. 1982 erkannte Salomea Genin: Statt zu helfen, die Welt zu verbessern, arbeitete sie für einen Polizeistaat. Sie brach mit der Stasi und wollte sich das Leben nehmen. Erst im Mai 1989 fand sie die Kraft, auch aus der SED auszutreten. Ihre Austrittserklärung wurde in westdeutschen Zeitungen abgedruckt, darunter in der "Frankfurter Rundschau".